AllgemeinRennen

SOLORENNEN ZU FAHREN IST ZU 90% KOPFSACHE UND DER REST IST MENTAL!

Auf geht’s zum 24h Rennen in München. Ich werde zum ersten Mal als Solofahrer an den Start gehen. Meine Güte, was hab ich einen Bammel vor der Herausforderung.
Freitags bin ich mit Torsten Weber und unseren Frauen in München angekommen und haben unser Quartier im Olympia Park aufgeschlagen. Da das Wetter bis dato noch gut war, wollten Torsten und ich uns mal die Runde in München anschauen und noch ein paar EB‘s zur Vorbelastung auf‘s Rennen fahren. Also, umgezogen und aufs Rad.
Nach 200 m kam dann auch schon die erste Abfahrt über einen wellenförmig angelegten Wiesenhang. Es waren genau 6 Wellen. Torsten fuhr vor und ich mit voller Energie und Selbstbewusstsein hinterher.
Erste Welle -> super,toll
Zweite Welle-> boah, geil
Dritte Welle -> fantastisch
Vierte Welle -> oh, jetzt kommt das Vorderrad ja sogar in die Luft
Fünfte Welle -> jetzt auch das Hinterrad
Sechste Welle -> oh hier läuft was falsch, beide Räder in der Luft aber ich drunter.
Nach der Wiese kam ein ca. 4 Meter breiter Kopfsteinpflasterweg, den ich dann liegend überquert habe um dann mit dem Rad in den Olympia See zu rutschen. Platsch!
Zuerst das Positive. Mein Hape Bike ist so leicht, daß es schwimmt. Ansonsten nur ein Desaster. Das rechte Bein von oben bis unten verschrammt. Mein Knie voll mit Schürfwunden und geprellt. Mein Garmin geht nicht mehr an und meine Brille ist in den Tiefen des Olympiasees verschwunden. Klasse, das fängt ja schon super an. Aber als ich mit Rad wieder aus dem See kam, gab es extra Applaus von allen Zuschauern und ich glaube eine 10,0 in der B-Note.
Aber Spaß bei Seite; es war für mich eine Katastrophe. Mein Bein tat weh und ich wusste noch nicht ob ich damit fahren kann. Nachdem Torsten seinen Lachkrampf beendet hatte und ich alles weitere am Rad geprüft habe, sind wir weiter gefahren.
Dann haben wir die Strecke abgefahren und haben uns alles Mal angeschaut. Mein Bein tat mir zwar weh, aber es klappte eigentlich ganz gut. Als wir dann durch das Stadion fuhren, mussten wir fast an jeder Ecke anhalten, weil wir viele Bekannte getroffen und ein wenig gequatscht haben. Es war schön, mal wieder mit Kai Saaler und Pierre Bischoff, um nur zwei zu nennen, zu reden.
Als wir wieder bei unseren Frauen angekommen sind, wurde mein Bein begutachtet und das Knie gekühlt. Dann hieß es abwarten bis morgen.
Am nächsten Morgen bin ich gut gelaunt aufgestanden und hab mich auf das Rennen gefreut. Dem Bein ging es auch ganz gut. Sah zwar alles schön lädiert aus, aber ich konnte ohne größere Probleme alles bewegen. Also wurde es nun langsam ernst.
Pünktlich um 12:00 Uhr startete ich nun mein allererstes 24 Stunden Solo Rennen. Nach dem Start fuhren alle los wie bei einem 100 Meter Sprint. Unglaublich was für ein Tempo. Da es noch regnete und alles nass und rutschig war, bin ich vorsichtig gefahren. Ich wusste ja auch vom Vortag wie es enden könnte. Nach ca. zwei Stunden hörte es auch auf zu regnen und es fing an, mir richtig Spaß zu machen.
Die Strecke an sich hat zwar nicht viel mit MTB zu tun gehabt, aber es war total klasse auf dem Gelände des Olympiastadions zu fahren. Es wurde quasi nie langweilig.
Ein Highlight bei dem Rennen war die Betreuung von meiner Frau. Nach jeder Runde gab es immer was anderes zum Trinken oder zum Essen. Das war wie eine Wundertüte. Einfach klasse. Danke dir dafür mein Schatz. So ging es immer weiter und ich fühlte mich einfach nur gut.
Nach drei Stunden wollte ich dann mal wissen auf welchem Platz ich bin und dann hörte ich: „Es ist der Wahnsinn, du bist Dritter!!!“. Das spornte mich noch mehr an, aber ein kleiner Mann in meinem Ohr sagte: „Mein Freund, nicht übermütig werden. Es sind noch 21 Stunden zu fahren!“ Auf den hab ich auch gehört und bin mein Tempo weitergefahren.
Bevor es in die Nacht ging hab ich mich komplett umgezogen und trockene und wärmere Sachen angezogen. Alles wurde wieder von meiner Frau top vorbereitet. Sarah Weber-Buding entwickelt sich mittlerweile zu unserer Teamtechnikerin und reinigt und ölt unsere Ketten wie ein Profi und Martina ist die Spezialistin, wenn’s um Zeitnahme und Rundenzeiten geht. Die beiden haben Torsten und mich vom allerfeinsten betreut.
Trocken und warm ging es dann in die lange kalte Nacht.
So gegen 4:00 Uhr am Morgen fielen mir plötzlich während der Fahrt die Augen zu und ich hätte mich am liebsten sofort ins Bett gelegt. Unglaublich diese Müdigkeit. Sage und schreibe hielt diese Phase ca. zwei Stunden an und dann war ich – kaum zu glauben – fast wieder fit. Keine Ahnung woran das lag.
Morgens wurde ich dann von meiner Frau mit einem heißen, starken und süßen Kaffee erwartet. Mmmhhh, war der lecker und der weckte alle meine Lebensgeister. In der nächsten Runde bekam ich dann die Info, daß ich mit fast einer Runde Vorsprung auf dem ersten Platz fahre. Da schoß mir noch mehr Adrenalin durch den Körper. Unglaublich, erstes Solorennen! Erster Sieg? Ist das möglich???
Das Wetter war nun klasse, das Rad lief super, das Betreuerteam genial, aber nun fing es bei mir an. Mein rechter Arm tat mir auf einmal so weh, daß ich ihn fast nicht mehr bewegen konnte. Ich saß auf einmal auf dem Rad wie ein Affe auf einem Schleifstein. Und das ging bis zum Ende auch nicht mehr weg. Torstens Vater würde nun sagen: „Du häss nix dropp im Oberkörper!“
Nach 20 Stunden Fahrzeit hab ich den Zweitplatzierten endlich überrundet. Was für ein tolles Gefühl. Wir haben das Rennen dann fast zusammen zu Ende gefahren und ich war total glücklich. Ich hab’s geschafft. Hurra! Hurra! Hurra! Aber leider ist keine Kraft mehr da um die Arme hochzureißen.
Es war für mich ein richtiges Erlebnis, dieses Solorennen zu fahren und es wird mir immer in Erinnerung bleiben.
Wie gesagt, Solorennen zu fahren ist zu 90% Kopfsache und der Rest ist mental :-).
Ganz großen Dank an meine Frau die mich fantastisch unterstützt.
Herzlichen Glückwunsch an meinen Teamkollegen Torsten Weber für seinen zweiten Platz in der elite eingefahren hat. An diesem Tag war Markus Hager einfach nicht zu schlagen. Hut ab und meinen vollen Respekt dafür. Du fahrst einfach unglaublich stark

Weiterhin möchte ich mich bei Hape Sporthandel, Northwave #‎northwave_official‬ Sponser Vittoria Tires, Squirt Lube Deutschland American Classic Revolution Sports Lupine Answer Products bedanken.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.